Offenbar werden hier ständig zwei Problemkreise miteinander vermengt, die kausal NICHTS miteinander zu tun haben. Das Existenzminimum ist der eine, niedrige Löhne der andere.
Da wir hier in Deutschland (Schweiz/Österreich) leben sollte klar sein, daß die Beträge, welche für ein menschenwürdiges (Über)Leben nötig sind sich an den Kosten orientieren müssen, welche hierzulande üblich sind. Die Miete muß hier bezahlt werden und nicht z.B. in Südostasien. Diese Kosten müssen unabhängig von der Lohnsituation gesehen werden, da sie auch unabhängig davon entstehen. Kein Vermieter gibt einem einen Rabatt, weil man weniger verdient.
Wer wenig hat, der kann sich auch nur eine kleine und billige Wohnung leisten, doch wenn deren Miete seine bescheidenen Möglichkeiten übersteigt, dann ist er auf Hilfe angewiesen.
Der zweite Problemkreis ist derjenige der Niedriglöhne und genau dort liegt das eigentliche Problem. Ich persönlich halte die Kopplung der Löhne an deren Ertrag für einen ausgemachten Blödsinn und nur durch diese Kopplung lassen sich Niedrigstlöhne überhaupt rechtfertigen.
Solange es Billiglohnländer gibt (aber auch Kinderarbeit und Industrialisierung) wird es immer Arbeiten geben, die nicht rentabel sind. Und dadurch, daß man diese Arbeiten umstrukturiert und Dritte mit ins Boot holt, die auch noch absahnen wollen, wird die Situation keineswegs besser.
Warum arbeiten die Leute eigentlich? Ach ja, man arbeitet, um Geld zu verdienen, von dem man leben kann. So sollte es zumindest sein. Und eine Arbeit, deren Lohn für ein menschenwürdiges (Über)leben nicht reicht ist schlicht und einfach überflüssig. Zumindest für den, der sie ausübt. Denn er arbeitet bestimmt nicht zum Spaß. Diesen Luxus können sich nur diejenigen leisten, die genug haben, denn vom Spaß allein kann man nicht leben.
Ich höre immer als Rechtfertigung z.B. für das niedrige Lohnniveau der Friseusen, daß sie eben nicht genug Geld einbringen und somit auch nur so wenig verdienen können. Ich frage mich, warum das Lohnniveau in den Büros deutlich höher liegt, obwohl deren Mitarbeiter selten direkt Geld einbringen. Oder auch die ganzen Zwischenhändler. Letztendlich verteuern sie die Ware nur, ohne für deren Entstehung oder Verfügbarkeit wirklich notwendig zu sein.
Welchen Betrag bringt eigentlich ein Polizist in Heller und Pfennig, oder ein Richter, oder ein Staatsanwalt oder auch ein Lehrer? Sind auch dort die Löhne nach deren Ertrag gestaffelt? Mitnichten. Nur im Niedriglohnsektor braucht man diese Rechtfertigung, sonst nirgendwo.
Wenn man wirklich den Ertrag einer Arbeit fürstlich entlohnen würde, dann wäre Mutter ein gutbezahlter Beruf. Denn Kinder sind unsere Zukunft. Ist er aber nicht, denn der Ertrag einer Arbeit ja nicht wirklich.
Ich habe gestern mal wieder etwas Zeit vor dem Fernseher verbracht und bin dabei über einige interessante Sätze gestolpert. Egoismus gibt es in allen Gesellschaftsschichten und Betrüger ebenso. Warum sollte dies ausgerechnet bei denen, die Hartz IV beziehen, anders sein? Mit welchem Recht erwartet man, daß sie die besseren Menschen seien?
Meines Erachtens lenkt diese ganze Kampagne mit den Sozialbetrügern nur einmal mehr von den eigentlichen Problemen ab. Sozialbetrüger interessieren mich genauso sehr oder wenig wie andere Betrüger auch und dadurch, daß man darüber redet, ändert sich daran nichts. Es sei denn, der fortschreitende Sozialabbau führt dazu, daß sie Zulauf bekommen, weil einige, für die es zum (Über)Leben so nicht mehr ganz reicht, sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Denn auch 8 Euro Zuzahlung für die Krankenkasse sind nicht für jeden leicht zu verkraften und immerhin fast 100 Euro im Jahr.
Zum Abschluß meiner Worte möchte ich noch daran erinnern, wer eigentlich die derzeitige Finanzkrise verursacht hat. Die Sozialbetrüger am unteren Ende der Einkommensskala waren und sind es jedenfalls nicht.
Gruß Konradin