„Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet's nicht erringen."
Goethe , „Faust".
Es giebt zweierlei Wissen; das empfindungs-
lose Wissen des Verstandes, welches aus äusser-
licher Beobachtung und logischer Schlussfolge-
rung hervorgeht, und welches die Wissen-
schaften der äusserlichen Naturerscheinungen,
Chemie, Physik, Anatomie, Physiologie, Tech-
nik u.s.w., überhaupt die Wirkungen der Natur-
kräfte auf der materiellen und sinnlich wahr-
nehmbaren Ebene, folglich auch die Phänomene
des Spiritismus umfasst. Dies ist das mindere,
jedermann zugängliche Wissen.
Das andere, höhere Wissen entspringt der
innerlichen Empfindung und Selbsterkenntnis
der Wahrheit im Herzen des Menschen, der
Erleuchtung und Anschauung-, und der Verstand
hat dabei nichts zu thun, als die Resultate
dieser Selbsterkenntnis zu prüfen. Dies ist das
geheime oder religiöse Wissen, welches
sich auf das geistige Leben im eigenen Innern
bezieht, und da der zum wahren Selbstbewusst-
sein erwachte Mensch sich im Grunde seiner
Seele als Eins mit Gott und der ganzen Natur
erkennt, so umfasst diese Geheimwissen-
schaf t die Kenntnis von allem, was im un-
sichtbaren Innern der Natur vor sich g-eht, und
die geistige und seelische Ursache alles körper-
lichen Daseins und aller sichtbaren Natur-
erscheinungen ist.
Die äusserlichen Naturwissenschaften lassen
sich durch äusserlichen Unterricht erteilen. Es
wird dabei von niemanden ein blinder Glaube
verlangt, denn jeder, der die hierzu nötige
Fähigkeit hat, kann sich selbst durch Experi-
mente von der Wahrheit des Gesagten über-
zeugen. Ganz dasselbe ist aber auch bei der
Geheimwissenschaft der Fall, nur gehört hierbei
zur eigenen Überzeugung die Fähigkeit, in sich
selbst das Wahre, Gute, Schöne und Edle zu
empfinden und zu erkennen, eine Fähigkeit,
die nur durch die eigene Veredlung des Her-
zens erlangt werden kann. Diese innerliche
geistige Erkenntnis Gottes und der Natur ist
die Theosophie, deren Resultate nicht anders
als geheim sein können, für alle, die noch
in den Banden des Selbstwahns gefangen sind
und deshalb das Wahre nicht erfassen können.