Belohnungssystem
Der menschliche Organismus hat ein komplexes “Belohnungssystem” entwickelt. Durch die Ausschüttung von Dopamin, Adrenalin und Endorphinen reagiert der Körper aus stressige oder angenehme bis freudige Erlebnisse. Diese Substanzen lösen rauschähnliche Zustände aus oder verändern das Bewußtsein in Richtung Entspannung.
Auf das Erleben bestimmter Begebenheiten reagiert der Körper also mit Hormonen oder deren Ausschüttung. Diese werden im Gehirn aufgenommen und dort von Rezeptoren aufgenommen. Dieses löst dann den erstrebten Zustand aus.
Bei stoffgebundenen Süchten, hier Alkoholismus, kommt es zu folgenden Reaktionen
Der Körper hat, auch für Alkohol bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Werden diese, anfangs durch eine geringe Dosis angesprochen, reagiert der Körper mit der allgemein gelösten Stimmung.
Im Falle häufiger Räusche wird mehr Alkohol aufgenommen, als nötig ist, die Rezeptoren zu erregen. Im Falle häufiger Räusche kommt es insoweit indirekt zur Reaktion, dass der Körper im Gehirn mehr Rezeptoren bildet, die dann in erhöhter Anzahl “befriedigt” werden müssen, um den Rauschzustand zu erleben.
Hier tritt also eine nötige Dosissteigerung auf, die nötig ist, um einen bereits vorher bekannten Zustand zu erreichen. Man spricht hier von Toleranzbildung.
Die Erregung der Rezeptoren für die körpereigenen Substanzen kann also auch hier bewirken, dass der Rausch nur eintritt, indem die Frequenz des Erlebens erhöht oder das Erleben verstärkt wird.
So entwickelt sich eine Art Sucht nach Extremsport, die “immer höher, immer weiter” gehen müssen, um den “Kick” mittels der körpereigenen Rauschsubstanzen zu erleben.
Sind Rezeptoren einmal vorhanden, bilden sie sich nicht mehr zurück. So bleibt ein Konsument, der trocken oder clean ist, sein Leben lang rückfallgefährdet.
Sucht ist also mithin nicht heilbar, sie kann nur durch Entzug / Entgiftung gestoppt werden. In der anschliessenden Therapie wird alsdann das Werkzeug vermittelt, die Abstinenz zu wahren und nicht in die gewohnten Rauschzustände oder Konsumgewohnheiten zurückzufallen. Mit dem erstmaligen Konsum auch nach jahrzehntelanger Abstinenz werden die Rezeptoren also wieder erregt, worauf sie alle wieder im Rauschzustand versetzt werden “wollen”.
Insoweit erbietet sich die lebenslange Abstinenz. Zwar arbeitet die Medizin an Medikamenten, die dieRezeptoren blockieren oder hemmen sollen (sodass auch der erneute Konsum den Rausch nicht mehr auslöst), jedoch gilt es auch die psychische Komponente des Konsums zu beachten.
Sucht wird also “erlernt”, jedoch im Negativen. So gilt es in Therapien durch das Erleben suchtmittelfreier Begebenheiten, um diese Erfahrungen wieder zu “überschreiben”. Es handelt sich hier um eine Art Konditionierung, da der Rausch mit Konsum der Substanz oder der Verhaltensweise assoziiert wird.
Der Körper verlangt also, bei Entzugssymptomen, primär nach der Substanz und hat erlernt, dass die entsprechende Verhaltensweise des Konsums dies herbeiführt.
Die “Suchtamplitude” kann sehr starke Schmerzen auslösen. Wir der Suchtdruck jedoch ausgehalten ohne zu konsumieren, gibt der Körper also sozusagen langsam auf, indem die Stärke und die Dauer des Suchtverlangens nachläßt.
In Therapien kommt es routinemäßig mit der Exposition mit der Substanz, die primär für den einzelnen Abhängigen relevant ist.
Diese Suchtphase muss überstanden werden, um der Psyche zu verständlichen, dass nicht mehr konsumiert werden soll. Um die jahrelange Negativ-Konditionierung zu “überschreiben”, sind hier jedoch häufige und ggf. regelmäßige Expositionsbehandlungen nötig.
Hanf
Botanische Herkunft
"Cannabis sativa" und "Cannabis indica" werden vermutlich seit 10000 Jahren vom Menschen angebaut. Cannabis enthält in allen Teilen, außer in den Wurzeln und Samen ein Harz, das über 30 verschiedene Wirkstoffe enthält. Die psychoaktiven Wirkstoffe von Cannabis nennt man Cannabinoide, das bedeutendste ist das Tetrahydrocannabinol(THC).
Verarbeitungsform:
Cannabisprodukte sind
* Marihuana (Gras, Ganja), die getrockneten Blütenstände und Blätter der weiblichen Pflanze, sowie
* Haschisch (Dope, Shit, Piece), das zu Platten oder Klumpen gepresste Harz der Pflanze, das auf dem Schwarzmarkt in unterschiedlichem Reinheitsgrad und ungleicher Qualität vorkommt (oft mit Stoffen wie Henna, Ölen und Sand gestreckt).
* Eine weitere Variante ist das Haschischöl (hochkonzentriert und selten erhältlich).
Konsumformen:
Haschisch oder Marihuana werden mit Tabak vermischt zu Zigaretten gedreht (Joint), oder pur in einer speziellen Pfeife (Haschischpfeife, Bong) geraucht.
Es kann auch in Kuchen oder in Kekse eingebacken, oder zum Beispiel in Milch aufgelöst als Kakao getrunken werden. Hier tritt die Wirkung erst nach ein bis zwei Stunden ein, ist allerdings sehr viel stärker als beim Rauchen und hält länger an (bis zu 10 Stunden!).
Wirkung
Die psychoaktive Wirksamkeit hängt von der THC-Konzentration ab, die stark variieren kann. Eine psychoaktive Dosis beginnt bei 15-20 mg THC. Unmittelbar während des Konsums stellt sich ein ausgeprägtes Wohlbefinden ein. Die Wirkung kann beim Rauchen schnell eintreten und hält zwischen einer und drei Stunden an. Der Konsument erlangt eine euphorische Stimmungsänderung, die Wahrnehmung kann sich leicht verändern. Allerdings kann der Cannabis-Konsum aktuelle Stimmungen verstärken und deshalb dazu führen, dass sich der Konsument "down" fühlt.
Konsumformen:
Haschisch oder Marihuana werden mit Tabak vermischt zu Zigaretten gedreht (Joint), oder pur in einer speziellen Pfeife (Haschischpfeife, Bong) geraucht.
Es kann auch in Kuchen oder in Kekse eingebacken, oder zum Beispiel in Milch aufgelöst als Kakao getrunken werden. Hier tritt die Wirkung erst nach ein bis zwei Stunden ein, ist allerdings sehr viel stärker als beim Rauchen und hält länger an (bis zu 10 Stunden!).
Körperlich:
* erhöhter Puls und Herzschlag (Herzrasen)
* trockener Mund
* Rötung der Augen
* Appetitsteigerung
Psychisch:
* Entspannung, innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Wohlbefinden, leichte Euphorie
* erhöhte Kommunikationslust
* Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
* Phantasieanregend
* Verstärkung von akustischen und visuellen Empfindungen und des Tastsinnes
je nach Dosis und Dauer des Konsums:
* Antriebslosigkeit und Teilnahmslosigkeit
* der momentane Gefühlszustand kann verstärkt werden, sowohl positiv wie auch negativ
Sucht und Abhängigkeit
Cannabis macht nicht körperlich, allerdings psychisch abhängig. Nicht wenige Konsumenten jedoch beklagen sich über Symptome wie Gliederschmerzen, Schlafstörungen etc. nachdem sie den Konsum eingestellt haben.
Bei regelmäßigem Konsum macht sich eine Toleranzentwicklung bemerkbar. Das Umsteigen von Joints zu Rauchgeräten (Bong, Pfeife) ist ein Indiz dafür.
Risiken des akuten Gebrauchs können sein:
* Durchhänger am nächsten Tag, Trägheit, geistige Fähigkeiten eingeschränkt
* unkalkulierbare Zusammensetzung der Inhaltsstoffe (Streckmittel), unbekannter Wirkstoffgehalt
* Angstzustände und Panikattacken
* bei sehr hohen Dosierungen Wahnvorstellungen (Halluzinationen)
* Hyperventilation
* Orientierungslosigkeit
Risiken des chronischen Missbrauchs können sein:
* depressive Verstimmungen
* Antriebslosigkeit
* Konzentrationsschwäche
* Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit
* wenn nicht schon vorhanden: Nikotinabhängigkeit
* besondere Belastung der Lunge und Atemwege durch giftige Strecksubstanzen (Lungenkrebs)
* Begünstigung von psychischen Erkrankungen (z.B. Psychosen) bei vorhandener Veranlagung
* Gefahr einer psychischen Abhängigkeit
Folgende Infos richten sich ausschließlich an Konsumenten und sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen ! Wer trotz der bekannten Risiken konsumiert, sollte wenigstens folgende Hinweise beachten:
Da der Cannabisrausch aktuelle Stimmungen und Gemütslagen verstärken kann, sollten sich Konsumenten der möglichen negativen Wirkung auf ihre Psyche bewußt sein und nicht konsumieren, wenn sie in schlechter Stimmung sind.
Bei regelmäßigem Konsum besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit: Mit Hilfe von längeren Konsumpausen kann überprüft werden, ob bereits ein gewohnheitsmäßiger Gebrauch stattfindet, bzw. schon eine psychische Abhängigkeit vorhanden ist.
Bei der oralen Einnahme ist die Menge schwer zu dosieren und die Wirkung tritt oft erst nach über einer Stunde ein. Zucker- und Vitamin C-haltige Getränke können unangenehme Rauschwirkungen bei Überdosierungen abschwächen.
Da Cannabis die Konzentrationsfähigkeit in starkem Maße trübt, sollte im akuten Rauschzustand auf keinen Fall ein Fahrzeug gelenkt werden. Konsumenten sollten sich außerdem den Auswirkungen auf die geistige Leistungsanforderungen in Schule und Beruf bewusst sein.