Interessant, interessant...
Hi ihr alle,
es ist schon sehr interessant mitanzusehen, in welchem Maße diese Fragestellung nach dem Gottglauben die Gemüter der Poster hier doch sozusagen erregt, allein schon anhand der Zuhilfenahme der zahlreichen Zitaten in den jeweiligen Antworten, in denen der einzelne oft versucht, seine Position zu "verteidigen". Ich denke, dass das eigentlich nicht das Anliegen des Urhebers war, vielmehr, denke ich, wollte er einfach nur eure Meinung als Antwort und diese ggfs. mit ner Begründung hören. Schließlich soll das hier doch nicht so ne Art "schriftlicher Kreuzzug" werden, in dem die anderen Poster hinsichtlich ihrer Zitate zur "Rechenschaft" gezogen werden. Bitte versteht mich jetzt nicht falsch...ich will damit auch beim besten Willen keinem zu nahe treten...meine Zeilen hier sind vielmehr eine Art 1.Reaktion auf all die Antworten, die hier bisher fielen...irgendwie ist mir in diesem Thread die nötige Toleranz untereinander zu kurz geraten...erst recht bei diesem "heiklen" Thema oder es liegt ganz einfach an mir, dass ich das alles hier viel zu eng sehe...Kritik oder Lob sind daher immer willkommen ;-)
Naja, bevor ich nun ganz abschweife, möchte ich noch meine Meinung zum Thema auslegen...
Ich befinde mich schon seit geraumer Zeit in einem ständigen Schwanken zwischen Glauben und Nichtglauben. Diese Schwankung verstärkte sich bei mir durch den Tod meiner Mutter Anfang des Jahres enorm. Ständig dachte ich, warum gerade MEINE mum sterben musste...warum so früh, warum an so einer schlimmen Krankheit (Krebs)?!?!?!?!? Fragen über Fragen...anfangs machte mich diese Ungerechtigkeit total fertig, weil ich meinen "anerzogenen" katholischen Glauben anzweifelte und mit einem etwaigen Gott nix mehr zu tun haben wollte...aber wie ihr sicher allesamt wisst, heilt die Zeit Wunden und der Kopf wird allmählich klarer. Mittlerweile halte ich mich wieder am Glauben an einen Gott fest, jedoch ist die Kirche als Institution für mich nur noch zweitrangig, da sie auch nur aus Menschen besteht, die wiederum alle ihre Stärken und Schwächen haben, somit nicht "fehlerfrei" sind. Ich wurde noch mit dem konservativen Zwang erzogen, jeden Sonntag in die Kirche zu müssen, freitags nur Fisch essen etc. erzogen, den ich heutzutage ganz und gar verabscheue, da es doch rein gar nichts bringt, so wie im Leben bzw. Alltag selbst, etwas unter Zwang zu tun...vielmehr sollte dies aus eigener Überzeugung kommen, dann hat man doch mehr davon!!! Zumindest hat mich der Film "Luther" ziemlich in meiner Meinung zum Thema "Kirche" bestärkt, was nun aber nicht Thema dieses Threads ist.
Wie gesagt, in meiner jetzigen Lebensphase ist mir der Glaube wieder näher gekommen. Ich habe momentan das Gefühl, das alles, was auf einen von uns zukommt bzw. bereits zukam, in irgendeiner Art und Weise vorherbestimmt ist. Der Mensch als solches hat, laut Bibel, seine Entscheidungsfreiheit, aber der grobe Lebensweg eines einzelnen von uns ist, meiner momentanen Meinung nach, vorgegeben...also sozusagen in die Wiege gelegt. Der Mensch kann also in seiner Entscheidungsfreiheit etwas nach links oder rechts abweichen, der Weg bleibt aber gleich. Auch selbst im Alltag erscheinen mir allzuoft Dinge vorhergesehen...z.B. wenn man nach ewiger Zeit wieder auf "alte" Freunde oder Bekannte trifft, die momentan eine besonders gute oder schlechte Lebensphase durchmachen und man ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen oder sonstwie helfen kann....klar, das könnte jetzt auch alles Zufall sein, aber lebt es sich denn nicht leichter, wenn man ein Ziel oder einen Glauben an irgendwas (hier: Gott) hat?! Denn da, wo die Wissenschaften an ihre Grenzen gelangen, fängt doch so oft die religiöse Sichtweise an...getreu dem Motto: Von nichts, kommt nichts...
Andererseits kommen mir dann desöfteren wieder meine besagten Fragen und Zweifel an den Glauben an einen Gott wg. des Todes meiner Mum, der Armut in der 3.Welt und die allgemeinen Ungerechtigkeiten im Leben an sich.
In dieser Hinsicht komme ich mir oft schizophren vor und bin einfach hin- und hergerissen...
Was mir aber momentan wieder etwas weiterhilft, ist die Tatsache, das meine Mum, die ihr Leid mit so einer Tapferkeit ertragen hat, wie ich es nie im Leben könnte (ich hätte mich in ihrer Lage, so wie ich mich kenne, schon viel früher aufgegeben), nun von ihrer Krankheit erlöst ist. Soll heißen: Ich glaube, dass es ihr nun besser geht und sie in irgendeiner Art und Weise weiterhin auf mich "aufpasst". Ich sprach mit ihr noch vor und während ihrer Krankheit hin und wieder über das Thema "Glaube" und sie sagte mir mal:
"Selbst wenn es keinen Gott gibt...die 10 Gebote, sei es durch Gottes Werk oder durch Menschenhand geschaffen, sind in ihrer Aussage und in ihrem Inhalt alles andere als schlecht. Sie schaden keinem von uns, und sollte es, laut Bibel, irgendwann mal zum Tag des jüngsten Gerichts kommen, so steht man doch unter der weitgehenden (ist doch klar, keiner von uns ist fehlerfrei;-) Berücksichtigung der Gebote zu Lebzeiten nicht allzuschlecht dar. Und sollte es dagegen nach dem Tod nur eine einzige Leere und Nichts mehr geben, so steht man doch auch nicht schlechter da als zuvor, wenn man sich, jeden Tag aufs Neue, an die Gebote hält bzw. sie sich vor Augen führt. Und mal ehrlich: Sähe unsere Welt nicht deutlich besser aus, wenn sich ein jeder von uns mehr, selbst wenn auch nur einwenig mehr, an die 10 Gebote halten würde...ich bin mir sicher, dass sich die Armut in der Welt verringern würde, wenn sich die Menschen mehr um die anderen Mitmenschen als nur um ihren eigenen Geldbeutel kümmern würden...bestes Beispiel: all die korrupten und habgierigen Politiker (auch unsere hiesigen...) oder die Diktatoren in der 3.Welt, die nur an ihr Wohl denken...
Müsste es dann überhaupt noch Kriege geben?!?!NEIN!
Abschließend gab mir noch folgendes zu denken: Am Tag der Beerdigung bat (und ich bete momentan echt sehr unregelmässig...) ich meine Mum um ein Zeichen irgendeiner Art, damit ich weiß, dass es ihr nun besser geht. Es war ein bewölkter Tag im Januar...und als ihr Sarg dann bereitstand, um herab gelassen zu werden, gelangten kurzzeitig einige Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hindurch und schienen auf den aufgebahrten Sarg! Zufall oder etwa doch mehr?! Zumindest halte ich mich momentan noch an diesem "Zeichen" und somit auch an Gott fest...
Wäre schön, wenn ich evtl. noch ein Feedback, egal ob Lob oder Kritik, bekommen könnte...vielleicht wäre dies hier noch einen neuen oder weiteren Thread wert?!?! Wie denkt ihr darüber?!
Gruß an alle Freeboarder
RichWar