Den Artikel habe ich mir gerade eben auch durchgelesen (Danke muesli für das Heft

) und ich muss sagen, das mich die Meinung Buebs fast schon erschreckt.
Nicht nur die christlichen Werte, die er allen aufdrängen will, auch die sinnlose Höflichkeit, wie das Damen zuerst den Raum verlassen.
Am aller schlimmsten ist auf jeden Fall, das er sich als eine Art Führer der Kinder sieht und ihnen zeigen will wo es langgeht und somit ein Abbild seiner selbst schafft, wie es so schön im Text heißt.
Allerdings kann ich mich auch nicht wirklich Cohn-Bendits Meinung anschließen.
Mit meinen 18 Jahren ist meine Kindheit erst seit kurzem vorbei, teilweise auch noch gar nicht abgeschlossen.
Das einzige was ich dabei bezüglich Autorität und Höflichkeit entwickelt habe, war pure Abneigung, was man mir glaube ich auch in den anderen Posts anmerkt.
Keiner konnte mir sagen, warum ich eine Autorität akzeptieren soll, warum ich höflich sein sollte, wenn dies jeglicher Vernunft widersprach.
Die einzigen Antworten die ich erhielt, waren, es seien eben meine Eltern, meine Lehrer oder alle anderen machen dies auch so.
Als Kind ist dies aber selbstverständlicherweiße unbefriedigend und führt nur dazu, das man es noch mehr ablehnt.
Gleiches wiederfährt einem auch in dem Glauben, auch dieser ist stark nach Autorität und festen, sinnlosen Regeln aufgebaut, aber dies nur am Rande.
Wenn man als Kind aufwächst, ist meiner Meinung nach wichtig, das man folgende Dinge erhält:
- Liebe
- Achtung, Respekt & Verständnis
- Ehrlichkeit
- Zugang zu allem was einem interessiert
Gerade die Achtung und der Respekt fehlen aber den meisten Eltern vor ihren Kindern, da sie diese nicht verstehen.
Ein Beispiel, ein Kind malt ein Bild, die Eltern loben es, unabhängig welche Qualität das Bild besitzt und damit ist für sie die Sache erledigt.
Als Kind hingegen will man natürlich unbedingt ein Lob, aber andererseits will man den Eltern auch erklären, was auf dem Bild ist, warum man es so gemalt hat und so weiter.
Wenn die Eltern dies verstehen würden, würden sie über das Verständnis auch Respekt gegenüber dem Kind entwickeln und ihm damit Achtung zeigen.
Diese Achtung zeigt dem Kind wiederum, das es ernstgenommen wird, was auch sehr wichtig ist.
Das Ziel muss es sein, das Kind als eigenen Menschen anzusehen und nicht als Ding, das man steuern und befehlen muss, als was es die meisten Menschen meiner Meinung nach ansehen.
Wichtig ist auch, das ihm diese Achtung in allen Bereichen entgegengebracht wird, zum Beispiel wenn dem Kind Aufgaben erteilt werden.
Wenn das Kind wissen will, warum es dieses und jenes machen soll, braucht es einen Grund dazu, keine Autortät, die ihm dies befiehlt.
Für Eltern mag die kindliche Logik mehr als unlogisch erscheinen, dennoch sollte man es ihm erklären.
Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, das ein Kind frühzeitig Aufgaben und Verantwortung übernimmt, da es sich sonst in seinem späterem Leben sehr viel schwerer tut, das ist mir bei vielen Personen aufgefallen.
Durch die Achtung merkt das Kind, das es von den Eltern respektiert wird und durch das Wissen, das ihm von ihnen beigebracht wird, bringt es den Eltern im Gegenzug wieder Respekt bei. Es entsteht also keine Beziehung, bei der das Kind unterdrückt wird, sondern man sich gegenseitig respektiert.
Geht es nun zum Beispiel darum, dass das Kind ein Musikinstrument erlernen soll, so wächst die Bereitschaft dazu aus dem Respekt und der Argumentation der Eltern, das Kind versteht warum es spielen soll und weiß das es für sich gut ist.
Dadurch wiederum lernt es auch mit Spaß das Instrument, was ein sehr wichtiger Faktor ist.
Mir ist klar, das ein Kind, insbesondere am Anfang des Lebens, nicht immer soweit ist, und das man gelegentlich die Macht ausnutzen muss. Sollte dies allerdings der Fall sein, so muss man dem Kind immer erklären warum, auch wenn es dies nicht versteht.
Und das zweite wichtige ist, das man nicht nachgibt.
Wenn man dem Kind eine Grenze zeigt, muss dies verständlich und klar sein.
Das ein Kind ohne Liebe der Eltern es sehr schwer hat, sollte auch klar sein. Die Eltern müssen diese allerdings nicht nur besitzen, sondern auch zeigen können.
Passend dazu auch der obere Teil mit der Achtung und den Respekt, wenn man ein Kind autoritär behandelt, denkt es oft, das es nicht geliebt wird.
Die Ehrlichkeit ist auch ein wichtiger Faktor. Das Kind will und muss ernst genommen werden. Gerade als Kind ist man von den Lob der Eltern sehr abhängig und richtet sich dementsprechend auch danach, allerdings darf man als Eltern nur loben wenn es wirklich lobenswert ist, sprich, wenn das Kind eine Aufgabe für seine Verhältnisse gut gelöst hat.
Es ist wichtig, den Mittelweg an Lob zu finden, lobt man zu wenig, denkt das Kind es ist schlecht, lobt man es zu viel, wird es narzistisch, analog zu den Artikel der Zeit noch einen anderen Artikel, den ich hier bereits in einem anderem Thread gepostet habe:
TP: Web 2.0 fördert den Narzissmus
Belügt man ein Kind, so merkt es ziemlich schnell, das einem die anderen Sachen nicht wirklich entgegengebracht werden.
Der vierte Faktor ist der Zugang zu allem was einem als Kind interessiert. Wenn man eine Frage hat, so sollte die von den Eltern ernsthaft zur Zufriedenheit des Kindes beantwortet werden, auch wenn es mehr als nervig ist.
Dennoch ist dies sehr wichtig für das Kind, den als Kind denkt man noch philosophisch, man macht sich über die Welt Gedanken.
Und erst durch die ständigen Antworten, wie "Das ist halt so" oder "Das verstehst du eh noch nicht", werden wir zu den stumpfen Menschen von heute.
Genauso natürlich, wenn man das Kind vor den Fernseher verblöden lässt.
Es ist mehr als wichtig, das man dem Kind möglichst viel zeigt, zum Beispiel Sportarten, Musikinstrumente, Hobbys, eben alle Bereiche, aber auch wirklich alle, und wenn sich das Kind für einen interessiert, sollte dieser gefördert werden, solange es Interesse daran hat.
Dadurch werden auch gleichzeitig die Fähigkeiten und Lernlust des Kindes gesteigert.
Natürlich darf man nicht, wenn das Kind zum Beispiel gerne schwimmt, ihm einfach einen Schwimmenpool in den Garten klatschen. Vielmehr sollte man ihm zum Beispiel neue Techniken zeigen und ihm nach und nach als Gegenleistung für seine Interesse neue Dinge besorgen.
Das ist ebenfalls sehr wichtig.
Zuletzt ist es noch sehr wichtig, das man das Kind weder mit Vorurteilen, noch mit Geheimnissen belastet. So sollte man zum Beispiel nicht dem Kind von Anfang an beibringen, das Gott einem zum Beispiel bestraft, wenn es nicht artig ist.
Dies führt nur dazu, dass das Kind sein Leben lang Angst hat.
Ein Kind sollte eh nicht nach einer Religion sondern nach alle Richtungen erzogen werden, damit es sich später seinen Glauben selbst aussuchen kann, den Glauben an die Hoffnung oder den Glauben an den Verstand.
Geheimnisse sind ebenfalls sehr schädlich für Kinder, da sie diese erst neugierig machen und Verständnislosigkeit ausrufen. Eine Art ist zum Beispiel, wenn man einem Kind nicht Süchte erklärt.
Als Beispiel auch noch die Verdrängung von Sex. Natürlich muss man einem Kind das nicht alles von sich aus erklären, aber wenn es fragt, sollte man ihm ehrlich und ungeniert antworten können.
Denn dadurch das wir alle in unserer Kindheit (auch durch den Glauben) dazu erzogen wurden, das Sex etwas unanständiges, fast schon beschämendes ist, steckt das auch heute noch in unserem Unterbewusstsein.
Bei den einen mehr, bei den anderen weniger.
Wenn man all dies beachtet und das Kind sozusagen von Anfang an als Erwachsener behandelt, sprich wie einen Menschen, dann entsteht daraus auch glaube ich eine ganz andere Mentalität.
Eine Mentalität die nicht wie heute auf Narzismus, sowie Egoismus, Gleichgültigkeit, Unwissen und der Unfähigkeit seinen Verstand zu benutzen beruht, sondern vielmehr auf dem Wissen, das man ein Mensch von vielen ist und man alle Menschen respektvoll behandeln sollte.
Zudem wurde man in der Kindheit mit unerlässlichen Fähigkeiten und Wissen ausgestattet, die wir niemals als Erwachsene nachholen könnten, selbst wenn wir wöllten.
Wenn wir es schaffen, das immer mehr Kinder frei und ihrer selbst, sowie der Gemeinschaft bewusst, erzogen werden, dann könnte es auch klappen eine Gesellschaft aufzubauen, die nicht mehr auf Egoismus und Konkurrenz, sondern aus Achtung und Respekt gegenüber den anderen besteht.
In dieser Gesellschaft benötigen wir dann auch keine Höflichkeit oder Rituale mehr, um uns gegenseitig Liebe und Anstand vorzuspielen, die wir in Wahrheit gar nicht achten.
Der Nachteil an meiner Meinung ist natürlich nicht nur der, das ich kein eigenes Kind erzogen habe (auch wenn ich die Erziehung meines 8 Jahre jüngeren Adoptivbruders beobachten konnte und ihm gegenüber auch eine Vorbildfunktion hatte), sondern auch der, das ich all das aus einer einzigen Kindheit, die nicht wirklich angenehm war, geschlossen habe, und das obwohl ich über sie nur in einer extremst subjektiven Weiße denken kann.
Fasst das ganze deshalb eher als eine Art Ratschlag auf, ob es so sinnvoll und überhaupt möglich sein kann, kann ich nicht entscheiden.
Dennoch bin ich froh, das ich diese Kindheit hatte, den durch sie wurde ich erst zu dem der ich bin, ein Mensch der alleine zurechtkommt und sich nicht unterordnet.
Wäre ich nicht mit Eltern aufgewachsen, mit denen ich so viele Konflikte hätte, wäre ich vermutlich einer der Millionen, die das machen, was man von ihnen erwartet.
mfg
neo