@ Robsco
nun mal halblang
'Geseier' und ähnliche Komplimente ersetzen hier keine Argumente
@topic
Ein - oder mehrere - berufsbezogene, eigenständige Tarifverträge,
ob nun bundesweit auf viele Unternehmene bezogen oder in einem breitgefächerten Unternehmen wie der DB
stellen grundsätzlich doch erstmal gar keine 'Gefahr' dar,
sondern bedeuten lediglich die zusätzliche Chance,
dass sich eben alle (wieder einmal) an einen Tisch setzen müssen,
bis die Interessen aller Beteiligten befriedigt worden sind.
Bisher haben wir doch "nur" drei Gewerkschaftsverbände, welche die Interessen von Lokführern vetreten...
wobei die GDL davon nicht einmal die Kleinste ist
Die 'Gefahr', die hier doch vielfach von bisher herrschenden Strukturen als Schreckgespenst an die Wand gemalt wird,
besteht doch lediglich darin, dass auf diese Weise auch mal alte - auch beruflich anderweitige - Strukturen/Verfilzungen in Frage gestellt und somit überarbeitet werden müssen,
und...
im Falle des Falles bei Missverhältnissen auch für 'gerechten' Ausgleich gestritten werden muss.
Nur so lässt sich ein ehemals funktionierendes Sozialgefüge wieder herzustellen
oder anders ausgedrückt: sozialer Frieden schaffen.
Im Falle der Bahn heisst dies nun zukünftig
- wie aber auch in vielen anderen Bereichen der (nationalen wie globalisierten) Wirtschaft -
das wirtschaftliche Interessen, sprich Kosteneffizienz bis hin zu Gewinnen, nicht ausschließlich auf dem Rücken der (auch später hinzugekommenen) abhängigen Mitarbeiter ausgetragen werden sollten und weitgehend NICHT nur der Gewinnmaximierung von (evtl. späteren) Spekulanten/Aktionären unterworfen sein sollten.
Wenn also auf Grund von (Fehl-)Entwicklungen der letzten Jahre, also u.a. auch der schlechteren Integration von ehemals bei der deutschen Reichsbahn Angestellten, Ungerechtigkeiten entstanden sind,
kann es doch wohl nicht sein, dass die Beseitigung dieser Missverhältnisse und des inzwischen wohl auch entstandenen, gegenseitigen Misstrauens auf Seiten dieser 'östlichen' Belegschaft wiederum auf dem Rücken genau dieser Menschen wieder ausgetragen werden soll.
Hier hat eben in der Vergangenheit der DB-Vorstand und AUCH tw. die angegliederten, alten, westlichen Gewerkschaften versagt...
wie so oft eben bei alten Seilschaften, die sich gegenseitig halt nicht......
Und gerade weil die Deutsche Bahn eben BISHER ein rein aus Steuermitteln finanziertes (volkseigenes

) Unternehmen ist, sind hier auch viele Menschen im Land intuitiv bereit, mögliche derzeitige Verluste zugunsten von zukünftig vermehrter Gerechtigkeit in Kauf zu nehmen.
Exkurs
lolman63 hat es doch im Beitrag #65 recht gut angerissen

Das gefühlte Gerechtigkeitsempfinden in ganz Deutschland (bzw. auch der Welt) nimmt immer mehr ab, weil zunehmend Menschen scheinbar verquere ökonomische Hintergründe und Zusammenhänge besser begreifen.
Die Relationen zwischen geleisteter Arbeit, dafür erhaltenem Lohn und hierzu adäquat bestehender Kaufkraft stimmen doch schon lange nicht mehr...vor allem nicht weltweit
aber auch die dazu im Gegensatz stehenden, ständig steigenden, aber "anonymisierten" Gewinne div. Aktionäre sowie deren Handlungsbefugten (Vorstände etc.) passen vielfach einfach nicht mehr in das von genau diesen "Herrschaften" schöngezeichnete Gesellschaftsbild
Zudem hat sich die Geiz-ist-geil-Mentalität bei Lohnabschlüssen doch schon immer bewährt, allerdings ist neuerdings dagegen die "Selbstbedienungsmentalität" wirtschaftlicher Kreise in den letzten Jahren verstärkt auch in Regierungskreisen an- bzw. hinzugekommen

"Entscheidungsträger" messen sich eben sowohl in Regierung wie in Wirtschaftskreisen zunehmend höhere Saläre zu...
während gleichzeitig gegenüber der breiten Masse immer stärker von Maßhalten die Rede ist.
Zunehmende Grundentwicklungen wie sinkender Lebensstandard, fehlende Grundsicherungen, Inflation etc. pp. werden dagegen statistisch kleingeredet
wohl in der Hoffnung, dass niemand genau nachrechnet.
Aber....Mindestanforderungen wie Mindestlohn, auskömmliches Leben für tagtägliches, lebenslanges Arbeiten....werden aus "scheinbar" rein ökonomischen Gründen auf die lange Bank geschoben oder sogar...gänzlich abgelehnt.
DAS ist aber letztlich reiner Wirtschaftsdarwinismus.
Nicht der Mensch steht hierbei im Mittelpunkt, sondern funktionierende - und vor allem immer billiger entlohnte - Arbeitsprozeße mit daraus zu erwartenden Gewinnerwartungen.
Pervers
Das insofern dieser "Arbeitskampf" der GDL nur einen winzigen Teil der bisherigen wie zukünftigen Probleme anspricht, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass derartige Prozeße in allen gesellschaftlichen Bereichen zukünftig vermehrt notwendig sein dürften.
Meine Hoffnung dabei ist, dass diese Prozesse - hier wie anderswo - NOCH solidarisch und friedlich ablaufen können...
die Geschichte zeigt uns allerdings leider auch ganz andere, unerfreulichere "Lösungswege" auf.