Ist zwar nicht von mir, aber ich denke die Pros und Contras treffen schon zu:
Pro
1. Ja, denn es wäre inkonsequent, die Türkei zwar in der NATO haben zu wollen, sie dort also zum Westen und dessen Werte- und Interessensphäre zu rechnen, sie aber von der EU mit dem Argument fernzuhalten, in ihr würden keine westlichen Werte vertreten.
2. Ja, denn es wäre für den europäischen Binnenmarkt wichtig, wenn die Türkei Teil davon wäre
3. Ja, denn durch eine in die EU integrierte Türkei wäre die Gefahr zu bannen, daß islamistische Tendenzen dort die Überhand gewinnen; letztlich trüge ein EU-Beitritt der Türkei also zur Stabilisierung der Gesamtlage bei.
4. Ja, denn die türkische Bevölkerung will mehrheitlich in die EU! Es ist in der Türkei viel mehr Identifikation mit der EU vorhanden als z. B. in England. Diesem demokratischen Votum darf man sich nicht verschließen!
Contra
1.Nein, denn die Türkei gehört als islamisches Land nicht zur christlich-abendländischen Kultur, die alle übrigen Länder der EU repräsentieren. Eine gemeinsame europäische Idee ginge dann endgültig verloren.
2. Nein, da die Türkei in Bezug auf die Achtung der Menschenrechte und ein gerechte Justiz immer noch starke Defizite aufweist. Jüngste Schlagzeilen, wonach Prozesse gegen Deutsche geführt werden, die angeblich den türkischen Staat unterwandern wollen, belegen diese Tatsache.
3. Nein, denn die Türkei ist zu groß und wirtschaftlich zu schwach, als daß sich die EU auf absehbare Zeit deren Vollmitgliedschaft leisten könnte. Dadurch drohte ganz Europa (relativ zu heute) zu verarmen.
4. Nein, denn der Türkei fehlt die Tradition der Aufklärung; die Trennung von Staat und Religion ist zwar der Verfassung nach gegeben, in der Realität hingegen sieht es oft anders aus.
5. Nein, denn wenn man die Türkei in die EU aufnimmt, dann können die übrigen Turkvölker, aber selbst Länder des Nahen Ostens oder Republiken der ehemaligen Sowjetunion mit demselben Recht eine EU-Mitgliedschaft beanspruchen. Europa sollte sich auf seine historischen Grenzen beziehen und nicht glauben, wichtiger oder besser zu werden, wenn es immer weiter wächst!
6. Nein, denn die Türkei ist bis heute ein stark vom Militär geprägter Staat. Gerade auch die demokratische Verfassung ist wesentlich nur mit militärischer Gewalt gesichert.
7. Nein, denn irgendwann sind auch die Grenzen erreicht, innerhalb derer die EU noch regierungs- und handlungsfähig ist. Mit bald 30 Mitgliedern dürften diese Grenzen endgültig erreicht sein, und es ist noch keineswegs gewiß, ob die EU ihre anstehende Erweiterung übersteht. Da mag es willkürlich scheinen, vor der Türkei einen "Schlußstrich" zu ziehen - andererseits dürfte es noch die "logischste" Grenzziehung sein. Sonst droht mittelfristig ein Auseinanderfallen der EU.
8. Nein, denn im Moment ist die EU nicht gerüstet für die Aufnahme der Türkei, deren Einflußsphäre immerhin bis in den Nahen und Mittleren Osten reicht. Europa könnte sich dann nicht länger aus den dort bestehenden Problemen und Krisen heraushalten, käme auch in geostrategische Konkurrenz zu den USA, die bekanntlich ihre eigenen Interessen im Nahen und Mittleren Osten verfolgen. Es bräuchte also zuerst eine starke, klare und einheitliche EU-Außen- und -Sicherheitpolitik, bevor man darüber nachdenken könnte, sich die Mitgliedschaft der Türkei zuzutrauen.