Hallo
KingstonTown,
praktische Ratschläge zu geben ist sehr schwierig, hängt das doch immer von den jeweiligen persönlichen Erfahrungen ab und wie lange jemand in Johannesburg war.
Wenn jemandem dort während seines Aufenthaltes nichts passiert ist, heißt das nicht automatisch, dass das auch für dich so sein muss und du dich ähnlich »sorglos« wie in einer deutschen Großstadt aufhalten und bewegen kannst. Auch liegt das Gefährdungspotenzial für Frauen und Männer wohl zwangsläufig unterschiedlich hoch. Und der umgekehrte Fall, dass also jemand hier bedauerlicherweise vermelden kann, als Opfer Eingang in die Kriminalitätsstatistik gefunden zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dir ähnliches droht, du also Paranoia schiebst und entweder gar nicht oder nur bis an die Zähne bewaffnet das Haus verlässt.
In einem Blog habe ich eine Metapher gelesen: »Jeder, der nach Johannesburg kommt, stellt sich an einer Schlange an, in der er nur darauf wartet, dass ihm etwas passiert.«
Inwiefern das tatsächlich stimmt, weiß ich nicht und das hängt wohl tatsächlich davon ab, wie lange man dort ist und wie vorsichtig/unvorsichtig man sich verhält bzw. ob man Glück hat oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Sicherlich wird im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft viel für die Sicherheit getan – natürlich wegen der internationalen Gäste, aber nicht zuletzt auch, um das schlechte Image aufzupolieren. Aber die Ankunft der zahlreichen Gäste dürfte im Umkehrschluss auch Begehrlichkeiten wecken, sodass es zu einem Kriminalitätstourismus aus anderen Städten oder ländlichen Gebieten kommen dürfte, um einige unvorsichtige Touristen um ihre »Reichtümer« zu erleichtern.
Allgemein lässt sich sagen, dass man die gleichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen sollte, die Auslandsreisenden immer empfohlen werden; egal wohin man sich auf der Welt begibt. Also mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangehen und
immer die Augen offenhalten. Die meisten Verbrechen finden in Stadtteilen statt, die kaum ein Tourist je betritt oder zu Zeiten, wo sich wenige Menschen auf den Straßen befinden. Dennoch gibt es Einschränkungen oder Erweiterungen. Raubüberfälle bei Tageslicht sind nicht ungewöhnlich für das Stadtzentrum von Jo’burg und andere angrenzende Stadtgebiete, explizit gilt das hier für Hillbrow. Also sollte man die Anzahl der mitgeführten Wertgegenstände auf das absolut notwendige Minimum reduzieren (im Vorfeld an mögliche Versicherungen denken) und nicht die teure DSLR-Kamera um den Hals spazieren führen – das kommt einer Einladung gleich. Allerdings, und dies ist meine Meinung, sollte man immer (und nicht nur in Johannesburg) wenigstens ein paar kleine Geldscheine mit sich führen. Sollte man in einen Raubüberfall geraten, so hat man etwas, von dem man sich schnell und problemlos trennen kann. Sollte man nämlich nichts dabei haben, ist es fraglich, ob der Räuber geneigt ist, den eigenen Beteuerungen zu glauben und nicht eher jemanden vermutet, der auf »starker Mann« macht.
Nachtspaziergänge, noch dazu allein, sind ein großes No-No. Wer nachts in Jo’burg (oftmals auch einfach nur »Jozi« genannt) ankommt und kein Auto hat, sollte sich also ein Taxi nehmen. Auch tagsüber sollte man urbane Erkundungsgänge nicht unbedingt auf Nebenstraßen, Hinterhöfe, etc. ausdehnen. Der öffentliche Nahverkehr scheint nicht unbedingt empfehlenswert, um es einmal so zu formulieren. Insbesondere bei der Benutzung von Geldautomaten sollte man Vorsicht walten lassen, da man hier am gefährdetsten ist (leicht beobachtet werden kann, ohne sich dessen bewusst zu sein). Hecktisches Um-sich-Blicken dürfte aber noch mehr das Interesse auf sich ziehen, erweckt es doch den Anschein, jemand möchte eine größere Geldsumme abheben und versucht, sich »abzusichern«.
Einbruchdiebstähle stehen derzeit allgemein »hoch im Kurs« (ganz RSA +11 %). Daher gibt es auch in Jozi viele hohe Mauern, schwere Tore, Kameras und Sicherheitsbeamte vor Häusern. Im Auto empfiehlt es sich, an der Ampel die Spiegel im Auge zu behalten und evtl. die Türen zu verriegeln, um einem möglichen
Carjacking zu entgegnen.
Wie gesagt, dies alles muss nicht heißen, dass dir etwas in dieser Hinsicht bevorsteht, es kann also durchaus sein, dass sich dein einziger Kontakt zur Kriminalität in Jo’burg auf das Schauen von Fernsehberichten oder das Lesen der Tageszeitung beschränkt. Aber etwas Vorsicht und gesunde Skepsis können nicht schaden. Und man sollte in seinen Überlegungen und Vorbereitungen nicht in westeuropäischen oder gar deutschen Dimensionen denken bzw. diese Standards anlegen, wenn man nach Südafrika geht.
Liebe Grüße,
—CentCom
Practical travel information on Health in Johannesburg - Lonely Planet Travel Information
http://www.lonelyplanet.com/travelblogs/724/22977/Crime+in+Johannesburg-+It+finally+happened?destId=355617
Crime Statistics | Per Category – Für ganz Südafrika und nach Kategorien/Provinzen
Bei Interesse oder zum Zwecke möglicher (obwohl dies meist zum bekannten Äpfel-Birnen-Problem führt) Vergleiche die Statistik für Berlin 2008:
http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2009/03/30/124330/index.html