Aber nochmal: (und hier sei einmal die vielleicht weiseste aller Ferengi-Erwerbsregeln auf die Menschheit adaptiert): "Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag". Zähneknirschen und Fäusteballen hin oder her.
Und? Dann sollte man es also in zukünftige Verträge nicht mehr hineinschreiben. Wie kann man einem Mann wie Stan O`Neal bitte 160M$ Abfindung zahlen? Da muss doch jemand schon bei der Vertragsgestaltung nicht alle Tassen im Schrank gehabt haben,,,
In Fall a): wenn sie sich des Risikos nicht bewusst sind (und manche Sachen kann man eben nicht vorhersehen) , wofür willst du sie dann an den Pranger stellen?
Dass sie zu dumm sind, das Risiko zu erkennen. Wenn jemand 2M€ als Bonus bekommt, dann muss ich ehrlich gesagt davon ausgehen können, dass er sein eingegangenes Risiko auch abschätzen kann. Kann er das nicht, ist er keinen Cent wert.
Und b) Selbst dann: ist das ein bewusstes "Das Geschäft kann eigentlich nur scheitern, aber egal: ich hab heute mal Lust, was gegen die Wand zu fahren, mir passiert ja eh nichts" oder vielleicht doch ein "Hey Leute (nochmal: Gremien!!), ich weiß, es ist echt riskant, aber wenn es klappt, hat die Firma für immer ausgesorgt"? Klar kann man sich über- und das Risiko unterschätzen, aber niemand geht sehenden Auges ins Verderben. Was wäre das Motiv?
Das irrst du leider gewaltig. Wie oben selber erwähnt hast: Es ist häufig reine Dummheit und Gier, die Menschen handeln lässt. Alleine ein Satz wie "Hey Leute (nochmal: Gremien!!), ich weiß, es ist echt riskant, aber wenn es klappt, hat die Firma für immer ausgesorgt" zeigt doch schon, dass das Risiko/Chance -Verhältnis vollkommen zur Risiko-Seite ausschlägt. Das ist ein "Alles-oder-Nichts" Ansatz. Da können wir gleich ins Casino gehen.
Großer Irrtum, das seh ich auch noch nach 100 Millionen so! Denn wo die herkommen, ist auch noch viel mehr! Das Vertrauen und die Bereitwilligkeit mir so viel Geld in den Rachen zu schmeißen, muss ich mir bei einem anderen Unternehmen erst wieder sauer verdienen. Wohlgemerkt: nachdem ich einen Mitbewerber in die Kacke geritten habe!!
Auch das siehst du falsch. Ich habe so viele schlechte Trader gesehen, die dennoch einen neuen Job gefunden haben, das kannst du dir nicht vorstellen. Lies dir ansonsten mal den Fall von Brian Hunter durch. John Meriwether ist genauso ein Fall.
Und noch eine falsche Grundannahme: wir reden hier nicht von Aufsichtsratmitgliedern in mehreren Großunternehmen (mal abgesehen davon, dass diese Leute bei diesen Großkonzernen vielfach aus der Politik kommen, die haben von Wirtschaft oft eh nicht den blassesten Dunst - kann man in schöner Regelmäßigkeit bei unserem politischen Kurs ablesen). Natürlich kennen die sich nicht mit irgendwelchen Einzelheiten aus. Müssen sie auch nicht, denn nicht der Ausfsichtsrat trifft die strategischen Entscheidungen im Unternehmen, sondern der Vorstand bzw. die von ihm beauftragten Manager. Der Aufsichtsrat darf lediglich hinterher abnicken oder den Vorstand feuern.
Äh, sorry, aber was suchen Leute, die keine Ahnung haben in einer
Kontrollinstanz??? Was kontrollieren die denn dann bitte? Ob die Krawatte des CEO gut sitzt? Der Aufsichtsrat ist die wichtigste Kontrollinstanz und überprüft die strategischen Entscheidungen. Wie kann man etwas abnicken, von dem man keine Ahnung hat? Das ist so als wenn ich jemanden eine Herztransplantation durchführen lasse, obwohl ich nicht weiss, ob er überhaupt Arzt ist.
Mit firmeninternen Gremien meine ich vielmehr die Entscheidungsträger der jeweiligen Fachbereiche, die von ihrem Job wirklich was verstehen (z.B. beschäftigt jede mittlere Firma mehrere Leute für's Risikomanagement, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Projekte vom Standpunkt der Möglichkeit des Scheiterns zu durchleuchten) und die sich zusammensetzen und gemeinsam beraten, was passieren soll. Diesen Menschen legen die Manager ihre Planungen vor, erläutern ihre Zielsetzung und die damit verbundenen Modellvorstellungen. Und wenn der Herr Manager seine Entscheidung da nicht überzeugend wirtschaftlich untermauern und verplausibilisieren kann, hat sich seine Strategie erledigt, noch bevor sie überhaupt zu Ende gedacht ist. Kein Ackermann und wie sie alle heißen kann eigenmächtig irgendwas durchsetzen - zumindest nicht, ohne dafür gerade stehen zu müssen. Immerhin sind auch diese Leute, so schwer manch einem diese Erkenntnis fällt, immer noch Angestellte - sehr gut bezahlt und mit vielen Freiheiten ausgestattet, aber immerhin.
Hahaha, sorry, aber arbeitest du schon? Ich möchte den Risikomanager sehen, der a) wirklich etwas von der Materie versteht - genau das siehst du ja an der momentanen Krise, dass Risiken eingegangen wurden, die keiner verstanden hat ausser den Leuten, die die Produkte entwickelt haben und b) dann auch noch den Mute besitzt, sich gegen eine Entscheidung des Vorstands zu stellen. Du solltest bedenken, dass es genau dieser Vorstand ist, der deine Karriere ziemlich schnell beenden kann.
Um ein letztes Mal einen Namen ins Spiel zu bringen: Mitarbeiter wie Öffentlichkeit, die zur Zeit einen Herrn Ackermann oder Mehdorn gerne in die Wüste schicken würden, vergessen, dass diese Leute mit ihren Strategien dafür gesorgt haben, dass ihre Unternehmen im einen Fall jährlich mit zweistelligen Gewinnsteigerungen, im anderen Fall in der Top Ten der größten und erfolgreichsten Institute Europas dastehen.
Was bringt es, kurzzeitig in den Top 5 zu stehen, wenn man danach Pleite ist und von Staatsgeldern gestützt werden muss?