Der dritten Welt helfen - Aber wie?

otze

Well-known member
So, dieser Gedanke ist mir schon desöfteren durch den Kopf gegangen, allerdings komme ich jetzt erst auf die Idee, mal hier anzufragen.

Es geht sich in erster Linie um die dritte Welt. Sehr gerne würde ich etwas tun, um da drüben zumindest ein klein wenig zu helfen. Ich farge mich nur, wie so etwas am besten geht.
Zum Hinfahren und vor Ort helfen fehlt mir ganz einfach das Geld und die Zeit, auch wenn ich diese Erfahrung eigentlich auch mal gerne machen würde.
Spenden traue ich nicht so ganz, da ich nie weiß, a) wieviel Geld von meiner Spende überhaupt drüben ankommt und b) wer das Geld dort bekommt.
Selbiges gilt ja auch für Klamottenspenden.

Meine Frage ist jetzt: Was ahbt ihr für Erfahrungen gemacht, was für Möglichkeiten gibt es, was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile?
 
Ich halte es für sinnvoll, den eigenen Konsum so auszurichten, daß die dortige Wirtschaft gestärkt wird, zB über fairtrade-Produkte.
Spenden für Konsumgüter sind definitiv NICHT förderlich. Sie stärken lediglich die Abhängigkeit von außen und verschlimmern bereits bestehende Probleme.
 
@otze, ich denke schon das Spenden auch helfen. Aber auch ich trau der Sache nicht so ganz. Ich habe immer das Gefühl das es nicht da ankommt wo es gebraucht wird. oder nur ein Teil davon.
Deshalb glaube ich auch wie twinky etwas mit dem eigenen Konsum auszurichten. Wenn ma sieht wieviel Lebensmittel jeden tag im Müll landen dann ist das schon fürchterlich.

klaf
 
Weggeschmissen wird bei uns eh kaum etwas. Ganz selten mal.

Ich habe halt nur Angst, dass das Geld, was ich spende, an den großen starken Mann mit Kanone geht und nicht an das kleine schwache Kind ohne Essen geht.
 
Ich habe da noch ein weiteres Problem beim Spenden ausser dem "großen starken Mann mit der Kanone". Mann hatt das Gefühl das all die Spendenaktionen die immer so im Fernsehen zusehen sind eine Werbetour für Promis darstellen.

klaf
 
Naja, wenn Promis das Ganze nutzen, um sich zu profilieren, wäre mir das noch egal, solange es trotzdem was bringen würde.
 
das thema "der dritten welt helfen" halte ich an sich schon für problembehaftet:
wenn die wirtschaftsstarken nationen den entwicklungsländern helfen und diese wirtschaftsstark machen, so schaffen sich die reichen damit doch eine konkurenz! irgendwie kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass irgend ein wirtschaftsstarkes land wirklich will, dass ein wirtschaftsschwaches entwicklungsland wirtschaftlich so stark wird, dass es auf eigenen beinen stehen könnte - denn das würde ja die eigene wirtschaft schwächen. ;)

das, was der dritten welt am meisten helfen würde, wäre eine minimierung der kriminalität und stabilisierung der politischen lage. und damit verbunden eine bessere ausbildung der kinder in diesen ländern - was aber wieder konkurenz für den eigenen markt bedeuten würde.
(jetzt stellen wir uns mal vor: in einem dritte-welt-land wird ein armer junge richtig gut ausgebildet, z.b. in einem beruf, der für das land wichtig ist. ich könnt mir gut vorstellen, dass dieser junge nach der ausbildung auf die jobangebote in seinem land guckt und sich dann sagt "na, da geh ich doch na DE, da bekomm ich einen ähnlichen job aber drei mal so viel geld!" - und schon hat die hilfe in entwicklungsland nichts gebracht und dazu auch noch den deutschen arbeitsmarkt belastet. ;) )

ergo müsste man bei der ausbildung einen weg finden, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die ausgebildet wurden, auch im land bleiben (wollen oder müssen - ersteres wär besser, zwoteres eine notlösung) und so für die entwicklung und erstärkung des eigenen landes kämpfen.

aber welche organisationen sich diese ziele auf die flagge geschrieben haben vermag ich nicht zu sagen. und ausser spenden gibt es ja auch nicht viel, was von hier aus getan werden kann. wenn du einen entsprechenden beruf hast, kannst du in ein entwicklungsland und dort z.b. als freiwilliger helfer arbeiten (ärzte ohne grenzen und so was), das ist aber auch stark risiko-behaftet!
 
@ locutus

ein wirtschaftsstarkes Land will natürlich ein wirschaftsschwaches Land entwickeln, damit es irgendwann auf eigenen Beinen steht und brav unsere Waren importiert!

--> neue Absatzmärkte etwickeln und aufbauen!
 
ja, vielleicht, aber nichts desto trotz würde ich mal stark davon ausgehen, dass diejenigen, die in dem land gut ausgebildet werden, nach abschluss der ausbildung in ein "erste-welt"-land emigrieren, was ein wirtschaftsstarkes land nur dann wollen kann, wenn es keine probleme mit arbeitslosigkeit hat und eher einen arbeitsstellenüberschuss aufweisen kann. sonst führt eine solche entwicklung zwangsläufig dazu, dass mehr und mehr arbeitsplätze von immigranten besetzt werden (was an sich ja nicht schlecht ist), welche vorher von einheimischen besetzt waren, welche daraufhin auf der straße stehen und dem staat auf der tasche liegen (müssen). und das kann nicht im interesse des staates sein - wobei: wenn unsere arbeit komplett von dritt-weltlern erledigt werden würde und wir gar nichts mehr tun müssten, aber trotzdem gut leben könnten, dann gäbs sicher viele, die das toll fänden.m
 
ich würd auch sagen, dass einfach geld spenden am wenigsten hilft.
wenn überhaupt nur kurzfristig und bestimmt versickert da auch ordentlich was.

man muss nachhaltig denken und der 3. welt kann es nur besser gehn, wenn die wirtschaft dort angekurbelt wird. also was machen um der 3. welt zu helfen?
fair trade is da sicherlich gut oder viell. auch devisen als tourist in diese länder bringen? da kannst du dir dann auch ein besseres bild vom leben dort machen.
viell. auch noch ne patenschaft oder sowas.

aber allzu viel kann man da allein nicht machen, außer man hat viel einfluss und/oder geld

spenden is wohl auch eher was damit es dem gewissen besser geht.
schaden tuts sicherlich nicht, dann aber bei etablierten firmen die das machen wie das rote kreuz oder sowas, nicht irgendwelche abzocker

die sollten halt auch wirklich was sinnvolles machen wie schulen bauen etc. und nicht einfach den leuten das geld oder essen vor die füße werfen. was daraus wird hat man ja in der vergangenheit gesehn
 
Hilfe zur Selbsthilfe. Das sind die Zauberwörter. Spenden sind nur eine Übergangslösung.

Aber warum seid ihr eigentlich für Hilfe? Wenn man diesen Entwicklungsländern noch mehr hilft, steigt die Weltbevölkerung noch schneller an, Nahrungsmittel, Platz, Rohstoffe, alles wird knapp und darunter hat dann die ganze Welt zu leiden. Umweltverschmutzung nimmt zu.
Abgesehen davon sind diese Entwicklungsländer potentielle neue Konkurrenz in Sachen Wirtschaft, wenn sie irgendwann mal dank Unterstützung auf eigenen Beinen stehen.

Wenn ihr den Entwicklungsländern helfen wollt, dann zahlt ein paar Euro mehr für Kaffee, Bananen, Tee, eben alles was von dort kommt. Dann würde nämlich der hart arbeitende Bauer einen etwas faireren Lohn bekommen.
Aber da haben die Großhändler natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden, die schließlich am meisten an der Armut profitieren.
 
Aber da haben die Großhändler natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden, die schließlich am meisten an der Armut profitieren.

deswegen wurde ja fair trade empfohlen.

und was is das für ne einstellung, die du hast?
warum soll uns der luxus gegönnt sein und den leuten aus entwicklungsländern nicht?
klar wird es dadurch der welt nicht besser gehn, aber warum haben die leute dort nicht auch ein leben wie wir verdient?

ich bin mal gespannt, wenn du ins krankenhaus musst und die ärzte sagen: ach komm warum sollen wir dem helfen? lassen wir ihn verrecken damit die welt nicht so sehr belastet wird.
 
Entwicklungsländern noch mehr hilft, steigt die Weltbevölkerung noch schneller an

Wenn man von den Entwicklungsländern keine Rohstoffe mehr bekommt, dann sehen die Industrieländer alt aus.
Außerdem, warum sollte die Weltbevölkerung schneller ansteigen? Siehe dir Deutschland an, hohe Materielle Güter, Wirtschaftlich Reich, und doch sinkt die Bevölkerung in Deutschland.
Entwicklungsländer potentielle neue Konkurrenz in Sachen Wirtschaft

Also willst du keinen Konkurrenten. Klar, wir deutschen Leben vom Export. Aber ich denke, bis die jemals auf eigenen Beinen stehen, wirds noch laaaange dauern.
Wenn ihr den Entwicklungsländern helfen wollt, dann zahlt ein paar Euro mehr für Kaffee, Bananen, Tee, eben alles was von dort kommt. Dann würde nämlich der hart arbeitende Bauer einen etwas faireren Lohn bekommen.

Du glaubst tatsächlich, wenn wir mehr zahlen, bekommen die Bauern mehr?




So, und nun noch zum Thema.

In den 90ern hatte mein Vater öfters Autos nach Afrika geschifft (Damals war es noch für "Privat Händler" möglich). Jedesmal wenn er eine Ladung mit 40 Autos nach Afrika schickte, tat er in jedes Auto ziemlich viel Kram rein, welchen wir nicht mehr brauchten, jedoch in Afrika sehr begehrt sind.

Wie z.b. Kleidung, Spielsachen etc.

Oftmals ist er auch mit nach Afrika gereist und hat den Kindern dort mal Essen spendiert, oder auch mal mehr gezahlt als sonst.

Denn beispielsweiße gibt es dort Kinder, die dort einzelne Taschentücher verkaufen, Frauen, die tagtäglich mehrere Kilometer mit "Waren/Güter/.." auf dem Kopf in eine Stadt gehen, nur um am Tag etwas Geld zu verdienen, um Essen akufen zu können..

All das ist sehr Hart..

Gruß
 
Also ich finde sogenannte MicroKredite sehr gut.
So wie ich das verstanden habe vergibst du an jemanden in einem Dritte Welt Land einen Kredit von ein paar € 1-2 jahre später bekommst du dein Geld zurück.
Laut Wiki ist die Rückzahlungsquote 95-100%
Ich selbst hab das noch niegemacht, weil ich selbst noch kein eigenes Einkommen hab. Aber ein paar Bekannte von mir machen das und es scheint zu funktionieren.

Mikrokredit ? Wikipedia
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Viele Grüße
Zwiebel
 
Ganz schwieriges Thema, zu dem ich nicht wirklich viel beisteuern kann.

Ein Problem, dass schon öfter genannt wurde und dass ich bei jeder Spendenmöglichkeit bedenke: Da unten sind Männer am regieren, die sich für das Land, welches sie regieren, kaum interessieren. Und solange dies so ist, stecken die sich Spendengelder ein, verjubeln es wieder und so weiter, aber der Otto-Normal-Bürger dieses Landes merkt davon nicht viel. Erst einmal müssten also in diesen Ländern ordentliche Regierungen eingeführt werden, denen das Wohl der Bürger am Herzen liegt, aber das so zu ändern ist schlichtweg schwer bis (noch) unmöglich. Ein anderes Problem, was auch schon angesprochen wurde, ist die Kriminalität.

Hilfe zur Selbsthilfe ist so auch das einzige, was mir einfallen würde. Aber dann besteht das Problem mit der Regierung weiterhin. Ich bin aber politisch jetzt auch nicht so im Bilde, dass ich weiß ob daran gearbeitet wird oder nicht. Müsste vielleicht einer der nach mir noch etwas schreibt, sagen.

Und zuletzt @ locutus: Wo ist das Problem, wenn ein qualifizierter Immigrant eine unserer Stellen bekommt ? Dass der dementsprechende Heimatländer dann auf der Straße stehen würde ? Tja, dann muss sich dieser Heimatländer wohl besser ausbilden. Ich halte es für durchaus wünschenswert und gut, wenn qualifizierte Immigranten Jobs bekommen und eben die "nicht-ganz-so-gut-qualifizierten" Deutschen nicht. An einer überdeutlichen Arbeitslosigkeit leiden wir hier ja glücklicherweise nicht und wir würden ja dann auch nicht jeden zweiten unserer Jobs anders besetzen. Aber ich bin dafür, dass besser-qualifizierte Arbeiter schlechter-qualifizierten Arbeitern vorgezogen werden sollte. Egal welcher Nationalität.

Helion
 
Und zuletzt @ locutus: Wo ist das Problem, wenn ein qualifizierter Immigrant eine unserer Stellen bekommt ? Dass der dementsprechende Heimatländer dann auf der Straße stehen würde ? Tja, dann muss sich dieser Heimatländer wohl besser ausbilden. Ich halte es für durchaus wünschenswert und gut, wenn qualifizierte Immigranten Jobs bekommen und eben die "nicht-ganz-so-gut-qualifizierten" Deutschen nicht. An einer überdeutlichen Arbeitslosigkeit leiden wir hier ja glücklicherweise nicht und wir würden ja dann auch nicht jeden zweiten unserer Jobs anders besetzen. Aber ich bin dafür, dass besser-qualifizierte Arbeiter schlechter-qualifizierten Arbeitern vorgezogen werden sollte. Egal welcher Nationalität.


damit wäre dann aber der sache - der dritten welt helfen - nicht geholfen, denn dann hast du im dritte-welt-land weiterhin keine qualifizierten arbeitnehmer.
ausserdem mögen wir zwar zur zeit keine sonderlich hohe arbeitslosigkeit haben, aber wenn wir entsprechend die bildung in entwicklungsländern fördern würden und von dort mehr und mehr immigranten einheimische stellen besetzen, dann kann sich die lage auch irgendwann ändern. und heutzutage ist ja jeder arbeitslose für den staat schon einer zu viel - gerade für die kommunen mit ihren knappen kassen!
in dem zusammenhang auch: die ARGE organisiert ja zur zeit immer wieder diese tollen arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, wo langzeitarbeitslose mehr oder weniger sinnvolle, gemeinnützige jobs bekommen - dass hierbei anderen menschen, welche eigentlich diese arbeitsstelle inne hatten, ihr job mehr oder weniger streitig gemacht wird will erst mal niemand sehen. aber in ein paar jahren werden wir ja sehen. :D
 
Habe selber längere Zeit für die Heinz Böhm Stiftung "Menschen für Menschen" gesammelt. Da kommt das Geld auch an wo es soll.
 
Wenn PatBu es nicht erwähnt hätte, ich hätte es (auch) getan.
twinky's Ansatz (# 2) ist für jeden sofort umsetzbar (auch für Hartz 4 Empfänger)

Was mich zu den Gedanken bringt, die ich beisteuern möchte :
Sowohl die EU wie auch die USA werfen durch Staatssubventionierung unschlagbar
billige Agrarprodukte auf den Weltmarkt und zerstören dabei die Entwicklung der
exportorientierten Landwirschaft in den Entwicklungsländern.

Beispiele :

Das aus der EU nach Afrika verkaufte Trockenmilchpulver ist so billig, daß sich
eine eigenständige Milchwirtschaft in Afrika nicht rechnet.

Mosambiq produziert den billigsten Zucker weltweit :
allerdings darf es nicht in die EU exportieren !
(es könnte ja einigen Rübenzuckerbauern im Rheinland den Job kosten)

Ich könnte diese Beispiele noch sehr lange fortsetzen.

Wir alle bezahlen diesen Schwachsinn (und es ist vielen nicht bewußt)
~ 2/3 des EU-Haushalts sind Agrarsubventionen.

Es wäre sowohl für die EU als auch für die ärmeren Länder sinnvoller
wenn die EU jeden einzelnen Bauern in Europa subventionieren würde,
anstatt die produzierten Produkte.

Das ist nun Mal in meinen Augen der "Knackpunkt" der sogenannten Unterentwicklung
 
Man hilft denen am besten, wenn man ihnen nicht hilft.
Spenden schaffen Abhängigkeit und sind Leistung ohne Gegenleistung.
 
Was mich zu den Gedanken bringt, die ich beisteuern möchte :
Sowohl die EU wie auch die USA werfen durch Staatssubventionierung unschlagbar
billige Agrarprodukte auf den Weltmarkt und zerstören dabei die Entwicklung der
exportorientierten Landwirschaft in den Entwicklungsländern.

Vielleicht kann man das aber auch positiv sehen.

Es ist doch so, dass viele Entwicklungsländer leider wirklich für den Export produzieren, obwohl es sinnvoller wäre, erst einmal für die Eigenversorgung zu produzieren.

Es werden riesige Monokulturen mit Pflanzen angelegt, dabei wäre es sinnvoller, möglichst vielfältig einheimische Pflanzen anzubauen.

Die auf Export orientierte Landwirtschaft nimmt meistens wenig Rücksicht auf Wasservorräte, den Boden usw. kurzum auf Nachhaltigkeit.
 

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